Sankt Galler Nibelungenhandschrift auf CD-ROM – 2., erweiterte Auflage

Die Sankt Galler Nibelungenhandschrift: Parzival, Nibelungenlied und Klage, Karl, Willehalm. Faksimile des Codex 857 der Stiftsbibliothek St. Gallen und zugehöriger Fragmente. CD-Rom mit einem Begleitheft. Hrsg. von der Stiftsbibliothek St. Gallen und dem Basler Parzival-Projekt. Konzept und Einführung von Michael Stolz.
Zweite, erweiterte Auflage, St. Gallen 2005. ISBN 3-906616-70-3.

Die wichtigsten Neuerungen der zweiten Auflage:

  • Erweiterungen der Transkriptionen auf Abschnitte aus Wolframs 'Parzival'.
  • Aktualisierung der Begleittexte (auf der CD und im Booklet) gemäß dem Forschungsstand von 2005.
  • Verbesserungen in der Bedienung (z.B. Einsatz von Cursor-Tasten zum virtuellen Blättern in den Seiten des Codex).
  • Beigabe eines Browsers für PC und Macintosh, der eine langfristige Nutzung der CD gewährleistet.

 

die edle geschmackvolle pracht der vergoldeten anfangsbuchstaben und gemahlten ersten zeilen der bücher, die einfache schönheit und das mass der freien sicheren züge, der milde glanz der tinte und des pergaments, sichern dieser handschrift den ersten platz unter allen mittelhochdeutschen die ich gesehn habe.
(Karl Lachmann, Wolfram von Eschenbach-Ausgabe, Berlin 1833)

Der Codex 857 der Stiftsbibliothek St. Gallen ist die älteste Sammelhandschrift mittelhochdeutscher höfischer Epik. Das um 1260 angefertigte Manuskript enthält so bedeutende Texte wie Wolframs 'Parzival', das 'Nibelungenlied' und die 'Klage', Strickers 'Karl' und Wolframs 'Willehalm'. Sprache und Einrichtung der Handschrift deuten auf eine professionelle Schreibstube im Alpenraum, der kostbare Initialschmuck auf die Beteiligung norditalienischer Illuminatoren.

Aus dem Nachlass des Schweizer Historikers und Staatsmanns Ägidius Tschudi gelangte der Codex 1768 in den Besitz der St. Galler Stiftsbibliothek. Alsbald wurde sein bedeutender Wert von der noch jungen germanistischen Forschung erkannt. Johann Jakob Bodmer, Karl Lachmann und Friedrich Heinrich von der Hagen gehörten zu den ersten wissenschaftlichen Benutzern. Die Handschrift wurde Grundlage der noch heute maßgeblichen Ausgaben des 'Nibelungenlieds', des 'Parzival' und des 'Willehalm'. Sie diente als Maßstab für die Einrichtung einer normalisierten Schreibung in den modernen Editionen mittelhochdeutscher Texte.

Erst in der jüngsten Fachgeschichte zeigte sich, dass zu dem Manuskript auch zwei geistliche Dichtungen (Konrads von Fußesbrunnen 'Kindheit Jesu' und Konrads von Heimesfurt 'Unser vrouwen hinvart') gehörten, deren Fragmente heute in Berlin und Karlsruhe aufbewahrt werden. Darüber hinaus sind demselben Skriptorium zwei in Wien und Berlin befindliche Fragmente mit Ausschnitten aus Wolframs 'Parzival' und dem 'Nibelungenlied' zuzuordnen.

Die elektronische Edition auf CD-Rom bietet die einzigartige Möglichkeit, diese in verschiedenen Bibliotheken verstreuten Materialien zu vereinen. Der Datenträger enthält Farbabbildungen der Handschrift in drei verschiedenen Größen sowie Hinweise zur Lagenstruktur und zu den beteiligten Schreibern. Über Menuleisten können die einzelnen Texte und Textabschnitte angesteuert werden. Suchbefehle ermöglichen das gezielte Auffinden von Textstellen nach Vers- und Strophenangaben in den etablierten Ausgaben. Die vergrößerten Ansichten der Initialen lassen die Feinstrukturen der anspruchsvollen Illuminationstechnik erkennen.

Für das 'Nibelungenlied', die 'Klage' und Abschnitte aus Wolframs 'Parzival' werden Transkriptionen beigegeben, die mit den Farbabbildungen verlinkt sind. Die Texte der Fragmente zu 'Parzival' und Nibelungenlied' erscheinen in synoptischer Darstellung mit den entsprechenden Abschnitten des St. Galler Codex. Hier zeigt sich der Grad an textueller Beweglichkeit, der in der Frühzeit mittelhochdeutscher Epenüberlieferung selbst innerhalb ein und desselben Skriptoriums möglich war.

Eine wissenschaftliche Einführung in gedruckter und digitaler Form fasst die jüngere Forschungsgeschichte bis zum Jahr 2005 zusammen. Die Erläuterungen machen Geschichte, Aufbau und Bedeutung der Handschrift einer weiteren interessierten Öffentlichkeit verständlich.


Finanzielle Unterstützung:
Katholischer Konfessionsteil des Kantons St. Gallen
Schweizerischer Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung
Nationale Schweizerische UNESCO-Kommission


Preis: CHF 48.- / EUR 30.- (zuzüglich Versandkosten)
© 2005 Stiftsbibliothek St. Gallen, Parzival-Projekt (Universität Basel, Universität Göttingen)


Die CD-Rom kann ab Juli 2005 in der Stiftsbibliothek St. Gallen bezogen werden.

Bestellungen sind erbeten an:
Stiftsbibliothek St. Gallen
Klosterhof 6D
Postfach
CH-9004 St. Gallen (Schweiz)

Tel.: +41 / (0)71 227 34 16
Fax: +41 / (0)71 227 34 18


>> CD-ROM Online bestellen

stibi@stibi.ch
www.stiftsbibliothek.ch